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Eine Mitbewohnerin einer inklusiven WG sitzt auf dem Balkon, lächelt in die Kamera und hält dabei ein Buch in der Hand
Eine Mitbewohnerin einer inklusiven WG sitzt auf dem Balkon, lächelt in die Kamera und hält dabei ein Buch in der Hand

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Inklusives Wohnen für Menschen mit herausforderndem Verhalten

Wie können Menschen glücklich wohnen, die in ihrem Verhalten häufig als herausfordernd wahrgenommen werden? Darüber tauschen sich Mitglieder und Gäste von WOHN:SINN - Bündnis für inklusives Wohnen e.V. aus.

  • WOHN:SINN
  • Erscheinungsjahr: 2021

Inklusion hat den Anspruch, dass jeder Mensch einen Ort findet, an dem er glücklich leben kann. Bei Menschen mit Behinderungen und herausforderndem Verhalten stoßen viele inklusive Wohnprojekte bislang an ihre Grenzen. Mut machen die Erfahrungen von Annette Fischer und der Genossenschaft W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg e.G.. Sie hat uns berichtet, wie sie gemeinsam mit anderen Eltern ein schönes Zuhause für ihren Sohn Jakob geschaffen hat.

Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse:

  • Im Haus der Genossenschaft gibt es zwei Clusterwohnungen für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. In beiden Wohnungen leben jeweils 6 Menschen mit Behinderungen. In einer davon wohnt Jakob Fischer. Clusterwohnungen sind eine moderne Mischung aus WGs und Appartements. Kleine Appartements sind über einen Gemeinschaftsraum miteinander verbunden. Aus der Erfahrung von Annette Fischer ist es sehr wichtig, dass alle Bewohner*innen viel Privatsphäre haben und sich bewusst dafür entscheiden, wann sie Gemeinschaft haben wollen.
  • Jakob Fischer kennt seine Mitbewohner*innen schon sehr lange, weil sie zusammen zur Schule gegangen sind. Die Tatsache, dass sie als Freunde zusammengezogen sind, macht das Zusammenleben sehr viel leichter. Außerdem ist es sehr wichtig, dass sie ernst genommen werden und unterstützt werden, ihren Alltag selbstbestimmt zu meistern. Zum Beispiel waschen und kochen sie selbst (mit Unterstützung). In der Einrichtung, in der Jakob Fischer vorher gelebt hat, wurde für ihn gekocht und gewaschen.
  • Auch der Kontakt zu seinen Nachbar*innen im Haus ist Jakob Fischer wichtig. Er lebt zwar gerne zurückgezogen, aber genießt es sehr, wenn Kinder im Hof spielen und sie zu ihm auf den Balkon hinaufrufen.
  • Die Unterstützung bekommt Jakob Fischer hauptsächlich von Fachkräften. Laienkräfte tun sich oft schwer mit seinem Verhalten. Er braucht im Alltag eine sehr starke Struktur. Die Assistenz- und Pflegekräfte kommen von der Lebenshilfe Regensburg. Die gute Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe ist für Annette Fischer hilfreich. Praktisch ist, dass die Geschäftsstelle der Lebenshilfe gleich nebenan ist.
  • Die Finanzierung der Unterstützung läuft über das Persönliche Budget. Alle Bewohner*innen mit Behinderungen der Clusterwohnungen haben es beantragt. Sie beauftragen alle die Lebenshilfe Regensburg als Dienstleister. Die Lebenshilfe Regensburg kann als Assistenz- und Pflegedienst umfassende Unterstützung bieten. Das war Jakob Fischer und seinen Mitbewohner*innen lieber als mehrere Dienstleister. Die Beantragung des Persönlichen Budgets war am Anfang sehr schwierig, weil es bisher wenige Menschen mit sog. geistigen Behinderungen nutzen. Eine erfahrene Beraterin hat die Beantragung und Verwaltung zu Beginn unterstützt.
  • Die Initiative für das Wohnprojekt kam von mehreren Familien mit behinderten Kindern auf der gleichen Schule. Familie Fischer war eine davon. Gemeinsam haben Sie die Genossenschaft gegründet. Das war nur zu schaffen, weil in der Elterngruppe ein Betriebswirt und ein Architekt waren und Frau Fischer sehr viel ehrenamtliche Zeit in das Projekt geseteckt hat. Frau Fischer empfiehlt, sich früh mit Gleichgesinnten zu vernetzen, zum Beispiel einen Stammtisch zu gründen. Wer nicht die Kompetenzen oder die Kraft für ein eigenes Wohnprojekt hat, sollte Partner aus der Wohnwirtschaft von der Idee begeistern und mit ins Boot holen.
  • Genossenschaften bieten sich besonders als Partner für inklusive Wohnprojekte an. Sie sind offen für Gemeinschaften, Mitbestimmung und neue Wohnkonzepte. Inklusion ist für sie oft ein guter Pluspunkt bei der Bewerbung auf Baugrundstücke. Die Bewohner*innen können sich als Genoss*innen ein lebenslang günstiges Mietrecht sichern.
  • Die Initiative hat nicht das Rad neu erfunden, sondern auf den Erfahrungen Anderer aufgebaut. Annette Fischer berichtet, dass ein Vortrag von Urs Bürkle der Freiburger Vaubaunaise e.G. die Initialzündung für das Projekt war und sie sich sehr an den Erfahrungen der Freiburger orientiert haben.
  • Aktuell ist die inklusive Wohnsituation ihres Sohnes noch stark von ihrem Engagement als Eltern abhängig, so Annette Fischer. Sie wohnt mit ihrem Mann im gleichen Haus und verwaltet als rechtliche Betreuerin das Persönliche Budget ihres Sohns. Sie ist sich jedoch sicher, dass das Projekt langfristig auch ohne das Engagement der Eltern bestehen kann.

Weiterführende Links:

 

  • Ideenphase
  • laufender Betrieb
  • Entwicklungsphase
  • Video/Filmbeitrag
  • Deutsch
  • Finanzierung
  • Assistenz & Pflege
  • Gruppe / Organisation
  • Zusammenleben
  • Wohnraum

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