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Heute vor 10 Jahren fing gewissermaßen alles an: Am 15. Juni 2016 erblickte auf wohnsinn.org das erste Onlineportal für inklusives Wohnen das pixelige Licht des Internets. Initiator Tobias Polsfuß blickt auf die ersten Jahre von WOHN:SINN vor der Vereinsgründung zurück.
Damals hatte ich meinen Bachelor gerade in der Tasche und lebte in einer inklusiven WG von Gemeinsam Leben Lernen e.V. in München. Unterstützt durch den damaligen Geschäftsführer des Vereins Rudi Sack (†), ein paar Freunde und eine Webagentur begann ich auf der WOHN:SINN-Webseite Informationen zum gemeinsamen Wohnen von Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenzutragen.
Parallel packte ich meinen Rucksack und besuchte rund ein Dutzend inklusive Wohnprojekte – von Hamburg-Winterhude bis ins österreichische Graz und von Goch nahe der deutsch-holländischen Grenze bis rüber nach Dresden. Dabei lernte ich viele der heutigen Partner in Crime wie meine Kolleg*innen Christiane und Christian sowie unseren Vorsitzenden Pierre kennen. Mein Fazit der Reise: Viele unterschiedliche Konzepte, aber ein vereinender inklusiver Spirit!
Das Echo auf die ersten Schritte von WOHN:SINN war sehr ermutigend, fast überwältigend: Ein seitenlanger Artikel in der Süddeutschen Zeitung, ein vielgeklicktes Video zu „Gründen unter 25“ und sogar eine Einladung in eine Live-Kochshow. Später folgten Auszeichnungen wie der Smart Hero Award und der Bayerische Miteinander-Preis. Vor allem aber erreichten mich wöchentlich Anfragen von interessierten Menschen mit Behinderungen, ihren Angehörigen und Trägern der Behindertenhilfe. Die große Resonanz lag nicht zuletzt daran, dass befreundete Organisationen wie die Sozialheld*innen mit ihrer Reichweite und ihrem etablierten Netzwerk dem jungen Vorhaben viel Aufwind gaben. Bei der strategischen Weiterentwicklung halfen Beratungsstipendien, insbesondere der openTransfer-Accelerator der Stiftung Bürgermut.
Was schnell deutlich wird: WOHN:SINN war zwar die Idee eines Einzelnen, aber von Beginn an immer der Erfolg von Vielen. All diese Entwicklungen führten schließlich zwei Jahre später zur Gründung von WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen e.V., weshalb wir unser offizielles Jubiläum auch erst 2028 feiern. Dennoch ist es ein schöner Grund, um diese Woche auf dem ZusammenLebenFestival anzustoßen.
Was ich an der Zeit damals vermisse, ist die gesellschaftspolitische Aufbruchstimmung. Ich war – vermutlich auch in junger Naivität – überzeugt, dass ab jetzt alles nur noch besser, innovativer und inklusiver werden würde. Heute stehen Inklusion und Selbstbestimmung weit oben auf politischen Kürzungslisten. Bereits in den letzten 10 Jahren waren es weniger mutige politische Entscheidungen als vielmehr mutige Förderer wie Aktion Mensch, Ashoka Deutschland und die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt, die die Geschichte von WOHN:SINN mit ihrem Vertrauen geprägt haben.
Es gibt also nicht nur Grund zu feiern, sondern auch viele Gründe weiterzumachen.
P.S. Das obige Titelfoto war übrigens gestellt. Ich bin auf der Tour nicht getrampt, sondern war hauptsächlich mit der Bahn unterwegs. Das schien mir aber wohl als Pressefoto nicht eindrücklich genug. ;-)