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Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".
Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".

Gründungsleitfaden

Einziehen in eine inklusive WG

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Eine Wohnung ist gefunden oder das Haus bald fertig, der ersehnte Einzug rückt in greifbare Nähe. Wer den Einzug gut vorbereitet, hat große Vorteile und kann Chaos und Unmut vorbeugen. Was gilt es zu beachten? Welche Fallstricke lauern? Und wie kann man sich und alle anderen Beteiligten bestmöglich vorbereiten? Wir haben Informationen und Praxis-Tipps für Sie gesammelt. 

Der Einzug planen und vorbereiten

In ein inklusives Wohnprojekt ziehen oft mehrere Menschen zur gleichen Zeit ein, die sich nicht oder nur wenig kennen. Viele kommen direkt von zu Hause – wohnen also erstmals ohne die gewohnte Unterstützung der Eltern. Das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Studierende, die nicht selten direkt aus dem Elternhaus in eine inklusive WG einziehen. 

Hinzu kommen Fachkräfte, die womöglich gerade erst eingestellt wurden, Eltern, die Sorge haben, dass nichts klappt, neue Werkstätten und Busfahrer, die im Neubaugebiet die Straße nicht finden, zu spät gelieferte Küchen, Fahrstühle, die noch nicht funktionieren und, und, und. Je besser die Monate und Wochen vor dem Einzug durchdacht und geplant wurden, desto leichter fällt es, den Überblick zu behalten und die Ruhe zu bewahren. 

Wohnschule und Workshops zur Vorbereitung

Eine prima Vorbereitung für die Menschen mit Behinderung und ihre Eltern ist eine sogenannte Wohnschule. Sie wird von vielen Trägern der Behindertenhilfe regional angeboten – kann aber auch selbst organisiert werden. Im besten Fall treffen sich in der Wohnschule mehrmals im Monat an einem Nachmittag oder Abend die Menschen, die später miteinander leben werden. Sie lernen sich kennen, erleben, was ein eigener Haushalt ist, gehen zusammen einkaufen, kochen und essen gemeinsam. Dies kann zum Beispiel in einem Gemeinschaftsraum oder Seminarraum stattfinden.

Für die Eltern kann es ein Begleitprogramm geben, das sich mit Themen wie Loslassen, Ängste überwinden, Betreutes Wohnen, Hilfeplanung usw. beschäftigt. Mit der Wohnschule bereiten sich alle gedanklich und inhaltlich auf den Einzug ins neue Zuhause bzw. den Auszug des Kindes vor. 

Ergänzend dazu empfehlen wir mit einer Workshop-Reihe den Einzug vorzubereiten. Es ist klug, wenn sich die Eltern und zukünftigen Bewohner:innen mit Hilfe einer erfahren Moderation Gedanken über WG-Regeln und das Zusammenleben machen. 

  • Erhalten die Eltern einen Schlüssel für die WG und dürfen dort Kuchen backen? Oder sind sie (nur) Gast? 
  • Wer darf über die Wandfarbe im Wohnzimmer entscheiden: Bewohner:innen, Eltern, Studierende – oder alle?
  • Gibt es eine gemeinsame Haushaltskasse? Oder kocht jeder im wahrsten Sinne des Wortes seine eigene Suppe? 

WOHN:SINN bietet im Rahmen der Prozessbegleitung solche Workshopreihen an und unterstützt bei der Vorbereitung einer eigenen Wohnschule. Fragen Sie uns gerne!

Fachkräfte frühzeitig einstellen

Je besser die pädagogischen Fachkräfte „ihre“ Bewohner:innen kennen, desto einfacher. Es ist sinnvoll, wenn Vertrauen schon im Vorfeld aufgebaut werden kann und die Pädagog:innen vielleicht sogar so früh mit an Bord sind, dass sie an Workshops teilnehmen und Konzepte mit entwickeln können. 

Im besten Fall haben sie alle zukünftigen Bewohner:innen gut kennengelernt, kennen auch das Elternhaus und die bisherige Wohnung und sind vertraut mit der individuellen Hilfeplanung. Wer ein kleines Wohnprojekt plant, wird jedoch nur begrenzte Mittel haben, und kann nicht alle Pädagog:innen schon Monate im Voraus einstellen. Unser Tipp ist, zumindest die WG-Leitung einen oder zwei Monate vor dem Einzug zu finanzieren. Dies ist in der Regel über die Eingliederungshilfe möglich, unter dem Stichwort „Auszug aus dem Elternhaus“. Auch Stiftungen wie die Aktion Mensch können Mittel für Workshops und Personalkosten übernehmen.  

Fallstricke, Tipps und Tricks

In unserer Checkliste finden Sie viele wertvolle Tipps rund um den Einzug. Aus der Praxiserfahrung hier einige Fallstricke, die sicher nicht für Begeisterung sorgen. Wer innerlich darauf vorbereitet ist, kann das Geschehen vielleicht eher mit Humor tragen.  

  • Küchen und andere elementare Möbelstücke (Esstische, Stühle) werden erst Wochen nach dem Einzug geliefert 
  • Navigationsgeräte finden die Straßen in Neubaugebieten nicht. Busfahrer:innen und Lieferanten von Ausstattung (Möbel, Geschirr, …) finden das Haus nicht. 
  • WLAN gibt es erst Monate nach dem Einzug 
  • Die Straßen vor dem Haus sind noch nicht fertig > Rollifahrer:innen müssen durch knietiefen Matsch getragen werden 
  • Die Heizung funktioniert noch nicht, es ist mitten im Winter
  • Vier Studierende wurden ausgewählt, nur zwei davon ziehen ein  
  • Bewohner:innen mit Behinderuneng überlegen es sich anders und möchten doch nicht in der WG leben (die die Eltern jahrelang geplant haben)
  • Mitarbeitende überlegen es sich anders und treten den Job doch nicht an. 
  • Bewohner:innen mit und ohne Hilfebedarf denken, sie sind in einem Hotel mit First-Class-Service gelandet und weigern sich zu helfen
  • Die Eltern einiger Bewohner:innen sind ständig in der WG, obwohl sie eigentlich nur Gast sein sollten

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