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Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".
Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".

Gründungsleitfaden

Regelmäßige Besprechungen: ein Anker im Zusammenleben

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Wo viele Leute zusammenleben und -arbeiten, gibt es einiges zu besprechen. Eine gute Besprechungsroutine kann Halt geben, Konflikten vorbeugen und Planungen vereinfachen. Wir zeigen Ihnen, welche Formate sich in inklusiven Wohn- und Hausgemeinschaften etabliert haben und worauf sie beim Ablauf und der Moderation des großen Plenums achten sollten, damit sie für alle verständlich sind und ans Ziel führen.

Das große Plenum

Auf die Frage, was den Zusammenhalt einer inklusiven Wohngemeinschaft stützt, zählte in unserer deutschlandweiten Erhebung die „WG-Besprechung“ zu den häufigsten Antworten. Die meisten inklusiven Wohnprojekte haben eine bestimmte Routine, in der alle Bewohner:innen und meist auch die beteiligten Fachkräfte an einen Tisch kommen. Hier werden Konflikte gelöst, Dienste, Feste und Urlaube geplant, Neuanschaffungen besprochen und vieles mehr. Nicht zuletzt geht es auch darum, von allen Bewohner:innen zu hören, wie es ihnen gerade geht. In der Regel sind diese Besprechungen verpflichtend, dauern etwa 1–1,5 Stunden und werden von der Koordination der Wohn- oder Hausgemeinschaft geleitet.

In der Praxis finden sich unterschiedliche Namen hierfür, z. B. WG-Besprechung, großes Plenum, Bewohnerrunde oder Hausversammlung. Wir sprechen im Folgenden vom großen Plenum. Auch der Turnus, in dem es stattfindet, variiert in den Projekten. Der Turnus hängt unter anderem damit zusammen, wie eingespielt die Beteiligten sind. So treffen sich inklusive Wohn- und Hausgemeinschaften kurz nach dem Einzug meist wöchentlich, nach einigen Jahren dann nur noch monatlich. Es kann jedoch auch konzeptionelle Gründe geben, warum das Plenum häufiger oder weniger häufig nötig ist. Neben dem großen Plenum gibt es oft noch andere Besprechungsformate, auf die wir am Ende des Artikels eingehen.

Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung des großen Plenums kann wertvolle Nerven sparen und dabei helfen, dass sich alle auf Augenhöhe beteiligen können. Gerade in inklusiven Wohnformen treffen Menschen mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und Sprachniveaus aufeinander.

  • Fühlen Sie bei den Bewohner:innen und Fachkräften vor: Wem brennt ein wichtiges Thema auf der Seele? Braucht die Person Unterstützung, um es anzusprechen?
  • Stehen komplexe und emotional belastende Themen an? Besprechen Sie diese mit Einzelnen oder einer Kleingruppe vor.
  • Gehen Sie das Protokoll der letzten Sitzung durch: Sind Themen offengeblieben? Wurden alle vereinbarten Aufgaben erledigt?
  • Benötigt jemand für die Besprechung Assistenz, die noch organisiert werden muss?

Durchführung & Moderation

Eine gute Besprechung lebt von einem routinierten Ablauf und einer klaren Moderation. Versuchen Sie, ein Tempo und ein Sprachniveau zu finden, das für alle angenehm ist. Zudem kann es helfen, die Besprechungspunkte zu visualisieren, zum Beispiel auf einer Pinnwand oder einem Flipchart. Manche Menschen benötigen aufgrund ihrer Behinderung oder ihrer Sprachkenntnisse eine Assistenz. Diese sollten Sie als Moderator:in nicht zusätzlich übernehmen, sondern an andere delegieren.

An folgendem Ablauf können Sie sich orientieren:

1.    Begrüßung 
2.    „Blitzlicht“: Wie geht es allen?
3.    Klärung: Wer schreibt Protokoll?
4.    Check: offene Punkte vom letzten Plenum
5.    Themensammlung: Worüber sprechen wir heute?
6.    Ggf. Ergänzung weiterer Punkte
7.    Besprechen der einzelnen Punkte:

                     7.1.    Inhalt vorstellen
                     7.2.    Diskussion
                     7.3.    Ggf. Festlegen von: 

                                             7.3.1.    Aufgaben
                                             7.3.2.    Zuständigkeiten
                                             7.3.3.    Fristen

8.    Absprache Termin nächstes Plenum

Prüfen Sie bei jedem Thema, ob es im großen Plenum richtig ist, oder besser in anderer Runde behandelt werden sollte. Achten Sie darauf, dass ein Thema nach dem anderen behandelt und abgeschlossen wird. Springen zwischen Themen verwirrt unnötig. Bleiben Sie möglichst in Ihrer Rolle als Moderator:in. Wenn Sie die Rolle verlassen, machen Sie dies deutlich („Ich spreche jetzt mal kurz für mich. Mir kam es letztens so vor, …“).

Nachbereitung

Im besten Fall sind nach dem Plenum alle Aufgaben verteilt. Haken Sie gegebenenfalls nach, ob jemand Hilfe bei seiner Aufgabe benötigt. Wenn sich jemand sehr zurückhaltend verhalten hat, fragen Sie nach, ob alles verstanden wurde. Falls es während der Besprechung zu Konflikten kam, sprechen Sie in einer ruhigen Minute mit den Beteiligten. Wer das Plenum verpasst hat, sollte das Protokoll erhalten und lesen.

Weitere Formate

Je nach Konzept des inklusiven Wohnprojekts, ist es sinnvoll andere Formate zu etablieren, in denen ausgewählte Beteiligte zusammenkommen.

  • In Projekten mit größeren Teams an Assistent:innen, Pfleger:innen und pädagogischen Fachkräften sind gesonderte Teambesprechungen gängig.
  • Wenn Bewohner:innen nach dem „Wohnen für Hilfe“-Modell Assistenzdienste leisten, ist eine regelmäßige Besprechung zur Reflexion der eigenen (Doppel-)Rolle sinnvoll, entweder als Teil der Teambesprechung oder in einem eigenen Format (z. B. „Studi-Runde“).
  • Einige Projekte haben eigene Besprechungen für die Bewohner:innen mit Behinderungen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Wohnprojekt einen Fokus auf das Erlernen eines selbstständigen Lebens hat (z. B. die Lern-WG der Anne-Ramm Stiftung).
  • In manchen inklusiven Wohnprojekten haben sich Formate etabliert, durch die der Kontakt zu den Angehörigen der Bewohner:innen mit Behinderungen gepflegt werden (z. B. ein „Eltern-Café“ zweimal im Jahr).
  • Hinzu kommen Besprechungen, die weniger dem Zusammenleben als dem Organisatorischen dienen. Je nach Organisationsstruktur können dies zum Beispiel Gesellschaftertreffen der Auftraggebergemeinschaft (GbR), Vorstandssitzungen des Vereins oder Versammlungen einer Genossenschaft sein.

Der dargestellte Besprechungsleitfaden des großen Plenums kann auch für die ergänzenden Formate eine hilfreiche Grundlage sein.

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