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Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".
Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".

Gründungsleitfaden

Wenn Bewohner:innen in inklusiven Wohnformen älter werden

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Das Modell der inklusiven Wohnformen ist noch relativ jung. Daher gibt es bisher nur wenig Erfahrungen mit älteren Bewohner:innen mit Behinderungen, die inklusiv wohnen. Dies wird sich in Zukunft ändern. Welche Themen kommen mit fortschreitendem Alter auf? Was bedeutet das für die Wohnform und das Konzept? Und kann es ein Versprechen auf lebenslanges Wohnen in einer inklusiven Wohnform geben?

Die Bewohnerschaft wird älter

Meist sind es junge Menschen mit und ohne Behinderung, die in inklusive Wohnformen einziehen. Die erste inklusive Wohngemeinschaft in Deutschland entstand bereits Ende der 80er Jahre in München. Seitdem ist die Anzahl an inklusiven Wohnformen im deutschsprachigen Raum sukzessive gewachsen. 

Die Mitbewohner:innen ohne Behinderungen leben in der Regel nur während ihrer Ausbildung oder ihrer Studienzeit in einer inklusiven WG. Nach Beendigung von Ausbildung oder Studium ziehen sie meist aus und orientieren sich um. Die Bewohner:innen mit Behinderungen bleiben – wie in anderen Wohnformen auch – oft Jahre oder sogar Jahrzehnte in "ihrer" WG. 

Der Verein Gemeinsam Leben Lernen aus München betreibt zwei sogenannte "Mehrgenerationen-WGs". Das Angebot richtet sich speziell an Personen mit Behinderungen, die nicht voll oder nicht mehr berufstätig sind. Mit einem erhöhten Personalschlüssel wird eine Tagesbetreuung angeboten. Ein externer Pflegedienst ist für die gestiegenen Pflegebedarfe regelmäßig in der WG. Das Konzept findet Anklang und die beiden Mehrgenerationen-WGs "funktionieren" gut. 

Es gilt jedoch das Konzept stets zu überprüfen und weiterzuentwickeln, denn es stellt eine ganz andere Art des Zusammenlebens dar. Ein großer Unterschied liegt im Alter der Bewohner:innen begründet: Denn je älter die Bewohner:innen mit Behinderungen in inklusiven WGs sind, desto größer ist meist der Altersunterschied. Aber ist das ein Problem? Und was bedeutet es für das Zusammenleben?

Themen, die im Alter wichtig werden

Mit zunehmendem Alter der Bewohner:innen werden Themen wichtig, mit denen sich die inklusive Wohnform und deren Verantwortliche auseinandersetzen müssen.

  • Wohnen und Privatsphäre: Zusammenleben von älteren Bewohner:innen mit jungen Menschen ohne Behinderungen, geteilte Räumlichkeiten, mehr Anwesenheit von Bewohner:innen und Mitarbeitenden am Tag
  • Renteneintritt: Tagesstrukturierung, zusätzliche Altersvorsorge, Behindertentestament
  • Pflege: höhere Pflegebedarfe, Krankenhausaufenthalte, Demenzerkrankungen, steigender Anspruch an Barrierefreiheit, Gebrechlichkeiten, Organisation der Pflege und ggf. Zusammenarbeit mit einem externen Pflegedienst
  • Sterben und Tod: Umgang mit diesen Themen, insbesondere: wenn Eltern und Angehörige sterben; wenn Mitbewohner:innen mit Behinderungen sterben
  • Angehörigenarbeit/gesetzliche Betreuung: Wer übernimmt welche Aufgaben, wenn Eltern/rechtliche Betreuer älter werden? Bedeutung für die Konzepte von inklusiven Wohnformen 

Bedeutung für Konzepte von inklusiven Wohnformen

Für die Verantwortlichen einer inklusiven Wohnform ist es ratsam, sich mit den Themen des Alterns frühzeitig auseinanderzusetzen. Wer verantwortlich handelt, sollte sein Konzept deshalb zukunftssicher weiterentwickeln und entsprechende Vorkehrungen treffen, wie z. B. tagesstrukturierende Maßnahmen für Rentner:innen rechtzeitig planen. Das gilt für “klassische inklusive Wohnformen”, in denen überwiegend junge Menschen wohnen, aber auch für die WGs, deren Angebot sich an ältere Menschen mit Behinderungen richtet.

Themen, die mit dem Alter aufkommen, werden zukünftig auch für Initiativen und Träger von klassischen inklusiven Wohnformen relevant. Die Bevölkerung wird älter. Und auch Menschen mit Behinderungen haben heute eine deutlich gestiegene Lebenserwartung. Mit ihr gewinnen diese Themen ganz natürlich an Bedeutung.

Viele Fragen stellen sich: Wie lange können Menschen mit Behinderungen in einer inklusiven Wohnform leben? Kann ein Träger das Versprechen auf lebenslanges Wohnen und Betreuung geben oder müssen Betreuungsverträge entsprechend angepasst werden? Welche Schritte müssen gegangen werden, um sich mit den Themen rund um das Alter auseinanderzusetzen? Welche Themen, Herausforderungen und Aufgaben müssen kurzfristig und welche langfristig angegangen werden? Was für Netzwerke müssen geknüpft werden?

Tipps für Verantwortliche

Sind Sie für das Konzept einer inklusiven Wohnform verantwortlich? Oder haben Sie mit einer inklusiven WG zu tun und möchten sich mit der Thematik auseinandersetzen? Wir haben ein paar Tipps für Sie: 

  • Bilden Sie eine heterogene Gruppe, binden Sie andere Personen ein und machen sich gemeinsam Gedanken. Binden Sie auch interessierte Bewohner:innen mit und ohne Behinderungen sowie Angehörige ein
  • Fragen Sie bei anderen Initiativen und Trägern nach, vielleicht machen sich auch andere Gedanken. Zusammen ist es manchmal einfacher
  • Informieren Sie sich bei Trägern, die bereits inklusive Wohnformen für ältere Menschen mit Behinderung anbieten, z. B. auf der Homepage von Gemeinsam Leben Lernen e. V.
  • Organisieren Sie eine Zukunftsplanung und entwickeln Sie gemeinsam ein Konzept
  • Gibt es eine Arbeitsgruppe in Ihrem Umfeld, die sich mit Themen des Älterwerdens beschäftigt und an der Sie teilnehmen können? 
  • Gibt es eine Art "runden Tisch" zum Thema Inklusion in ihrer Nähe an dem Sie teilnehmen und bei dem Sie ein Netzwerk knüpfen können?
  • Schulen Sie Mitarbeitende und Bewohner:innen der WG zu ausgewählten Themen
  • Machen Sie sich zu den Räumlichkeiten Gedanken: Entweder vorab beim Bau einer WG oder zu einem späteren Zeitpunkt. Ggf. gibt es die Möglichkeit, Förderungen für die Gestaltung oder den Umbau des Wohnraums zu beantragen
  • Sprechen Sie mit gesetzlichen Betreuer:innen und Angehörigen über wichtige Themen und bringen Sie Gedankenprozesse in Gang
  • Knüpfen Sie Kontakte zu Ärzten, Pflegediensten, Nachbarschaftshilfe, Seelsorgern
  • Stellen Sie wichtige Informationen für etwaige Krankenhausaufenthalte zusammen
  • Suchen Sie nach möglichen Angeboten für die Gestaltung der Tagesstrukturierung.

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