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Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".
Drei junge Frauen stehen vor einer Wand. Sie halten selbstgebastelte Schilder mit "Inklusion" und "Selbstbestimmung" in der Hand. An der Wand weitere Schlagworte wie "Ort des Zusammenlebens".

Gründungsleitfaden

Liebe, Sex und Remmidemmi

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Inklusive Wohnformen sind Orte der Begegnung. Sie bieten die Möglichkeit, viele Menschen kennenzulernen. Sie sind Wohn- und Arbeitsstätte – und alle Personen, die hier zusammenkommen, bringen wiederum ein Netzwerk mit. So kommen viele Menschen zusammen und begegnen sich. Auch wenn der Altersdurchschnitt in inklusiven WGs meist ähnlich ist: Liebe ist keine Frage des Alters. Die Themen Beziehung, Liebe und Sexualität spielen bei Menschen mit und ohne Behinderungen eine Rolle. Sie sollten Personen nicht aufgrund einer Behinderung abgesprochen werden. Was ist ein guter Umgang mit der Liebe, mit Beziehungen und Sexualität in inklusiven Wohnformen? Warum ist es notwendig, dass sich Fachkräfte und Verantwortliche damit auseinandersetzen?

Definition der Begriffe Beziehung, Liebe und Sexualität

Eine Beziehung bezieht sich auf die Verbindung und Interaktion zwischen Menschen, Gruppen oder Dingen. Es handelt sich um eine Bindung oder Verknüpfung, die auf verschiedenen Ebenen existieren kann, sei es emotional, sozial, beruflich oder persönlich. Beziehungen können vielfältige Formen annehmen, z. B. zwischenmenschliche Beziehungen, Beziehungen zu sich selbst, Beziehungen zu Dingen, Ideen oder Konzepten. Beziehungen können positiv und unterstützend sein, aber auch Herausforderungen und Konflikte mit sich bringen. Eine erfolgreiche Beziehung erfordert oft Kommunikation, Verständnis, Kompromissbereitschaft und Respekt. Beziehungen spielen eine entscheidende Rolle in der menschlichen Erfahrung und beeinflussen unser Wohlbefinden, unsere Zufriedenheit und unsere Lebensqualität. 

Liebe ist ein komplexes und tiefgreifendes menschliches Gefühl, das eine breite Palette von Emotionen, Haltungen und Verhaltensweisen umfasst. Liebe wird oft als eine starke Zuneigung, Hingabe, Fürsorge und Bindung zu beispielsweise einer Person oder einer Gruppe beschrieben. Liebe kann viele Formen annehmen, wie romantische Liebe zwischen Partnern, elterliche Liebe zwischen Eltern und Kindern, freundschaftliche Liebe zwischen Freunden oder Geschwisterliebe. Sie kann dabei von Leidenschaft, Verlangen, Zuneigung, Mitgefühl, Vertrauen und Respekt begleitet sein. Liebe kann in verschiedenen Stadien existieren, von der anfänglichen Verliebtheit und Anziehungskraft bis hin zu einer tieferen und reiferen Verbundenheit im Laufe der Zeit. Sie kann positive Auswirkungen auf das psychische und emotionale Wohlbefinden haben, kann jedoch auch Herausforderungen und Schwierigkeiten mit sich bringen, insbesondere wenn sie unerwidert bleibt oder mit Konflikten und Enttäuschen verbunden ist.

Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Identität und Ausdruck der Intimität. Sexualität ist vielschichtig und individuell. Die Art, wie Menschen ihre Sexualität erleben und ausdrücken, kann stark variieren und kann zum Beispiel heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder asexuell sein. Ein respektvoller und informierter Umgang mit Sexualität ist wichtig, um gesunde und erfüllende Beziehungen sowie körperliches und emotionales Wohlbefinden zu fördern.

Ein guter Umgang mit der Thematik in inklusiven Wohnformen

Sicher ist, früher oder später kommen die Themen Beziehung, Liebe und Sexualität in inklusiven Wohnformen auf. Wichtig ist daher, sensibel für die Themen zu sein und eine Haltung hierfür zu entwickeln, um verantwortungsbewusst damit umgehen zu können.

Mit Beginn der Wohngemeinschaft sollte sich in einem interdisziplinären, gemeinschaftlichen, aber auch stetigem Arbeitsprozess, darauf verständigt werden, wie mit den Themen in der WG umgegangen werden soll: Welche Kultur des Miteinanders soll geschaffen werden? Welche Beziehungen müssen offengelegt werden? Was sind Regeln für ein gutes Miteinander in der WG? Wie ist mit grenzüberschreitendem Verhalten umzugehen? Was ist, wenn sich ein Paar innerhalb der WG bildet? Wie geht man mit Trennung von Paaren in der WG um? Kommen Partner:innen von außerhalb in die WG zu Besuch, was bedeutet das für die WG? Was ist dabei zu beachten? Welche Beziehungen müssen offengelegt werden?

Auch mit Angehörigen und Bewohnern mit Behinderungen sollte abgesprochen werden, wer welche Aufgaben übernimmt. Beispiele: Wer ist für das Thema Verhütung zuständig? Wer klärt auf? Wer begleitet bei Frauenarztbesuchen? Welche Themen werden mit Angehörigen kommuniziert, welche vertraulich behandelt?

Bewohner:innen ohne Behinderungen können eine Art Vorbildfunktion einnehmen. Wie lerne ich eine Person kennen? Welche Orte gibt es, um eine andere Person kennenzulernen? Welches Medium steht zur Verfügung? Wie verhalte ich mich in einer Partnerschaft? Wie lebe ich meine Sexualität aus?

Bedeutung der Thematik und Tipps für die Verantwortlichen

Beziehung, Liebe und Sexualität sind Themen, die Menschen begleiten. Umso schöner, wenn diese Themen positiv besetzt und Wohngemeinschaften Orte sind, in denen sie eine Rolle spielen. Menschen mit und ohne Behinderungen werden durch den unterschiedlichen Umgang mit diesen Themen lernen. 

Für Verantwortliche ist es wichtig, dass sie diese Themen ernst nehmen und sich verantwortungsbewusst damit auseinandersetzen. Dazu gehört zum Beispiel auch die Erarbeitung eines Schutzkonzeptes und dessen Implementierung in die Praxis. 

Die einzelnen Zielgruppen innerhalb einer WG müssen mehr über die Themen erfahren:

  • Was verstehe ich unter den Themen?
  • Wo sind meine eigenen Grenzen und wie kann ich sie äußern?
  • An wen wende ich mich mit Fragen?
  • Welche Schulungs- und Fortbildungsangebote gibt es?
  • Was bedeuten die Themen für die Angehörigen- und Elternarbeit?
  • Worin können Sorgen bestehen und wo Handlungsbedarf notwendig sein?

Vor allem Mitarbeitende müssen zu diesen Themen geschult und fortgebildet werden. Inklusive Wohngemeinschaften müssen ein sicherer Ort sein, in denen es Regelungen im Umgang mit Beziehungen, Liebe und Sexualität gibt und darauf geachtet wird, dass diese auch eingehalten werden. 

Die Entwicklung eines Verhaltenskodexes Wie gehen wir miteinander um?" ist eine Möglichkeit, die in einem gemeinsamen Arbeitsprozess geschehen kann: 

  • Welche Beziehungen sind in Ordnung?
  • Darf es Beziehungen zwischen Bewohner:innen mit und ohne Behinderungen, zwischen Bewohner:innen und Mitarbeitenden geben? 
  • An wen kann ich mich damit wenden?

Hier wird und kann es auch innerhalb eines Wohnprojektes unterschiedliche Meinungen geben. Ziel sollte es aber sein, dass Verantwortliche Antworten auf diese Fragen finden und ihre Haltung auch vertreten. Uns ist es wichtig zu betonen, dass inklusive Wohngemeinschaften ganz besondere Orte sind. Orte, an denen viele Menschen aufeinandertreffen und verschiedene Rollen eingenommen werden. Beziehungen, Liebe und Sexualität zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sind möglich. Der Kontext in dem Begegnungen stattfinden, sollte aber bei der Beantwortung der Fragen berücksichtigt werden. Gibt es ein Machtgefälle? Besteht ein Abhängigkeitsverhältnis? Wer übernimmt für wen Verantwortung? Sind Studierende rein Bewohner:innen oder stehen sie auch in einem Arbeitsverhältnis?

Die Vernetzung mit anderen Stellen kann für Verantwortliche einer inklusiven Wohngemeinschaft ebenfalls hilfreich sein. 

  • Welche Stellen können bei Fragen kontaktiert werden?
  • Wie agieren und positionieren sich andere Träger von inklusiven Wohngemeinschaften?

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